Geschichte
Zur Geschichte
Über die Geschichte des russischen Verses ließen sich ganze Bände schreiben, doch für den Anfang genügen einige Fixpunkte. Auf dieser Seite stehen nur gesicherte Daten: die Lebensjahre von vier Klassikern, deren Namen in Russland jedes Schulkind kennt, und die Jahre, die mit dem Lyzeum von Zarskoje Selo verbunden sind. Alles Weitere – wie sich der Klang des Verses, seine Maße und Intonationen verändert haben – beschreiben wir allgemein, ohne zusätzliche Namen und ohne Zitate.
Daten braucht der Leser nicht für eine Prüfung, sondern um zu verstehen, mit welcher Zeit ein Gedicht spricht.
Zeittafel
- 1799
Geburt von Puschkin (1799–1837). Für viele Lesergenerationen wurden seine Gedichte und seine Prosa zum Ausgangspunkt, von dem aus man die russische Klassik kennenlernt.
- 1811
Am 19. Oktober 1811 wurde das Lyzeum von Zarskoje Selo eröffnet. Puschkin gehörte zu den ersten Schülern, und der Eröffnungstag wurde für die Absolventen später zum Gedenktag.
- 1814
Geburt von Lermontow (1814–1841). Sein kurzes Leben fiel in eine Zeit, in der die russische Lyrik rasch an Kraft und Tiefe gewann.
- 1817
Erster Abschlussjahrgang des Lyzeums von Zarskoje Selo. Puschkin beendete die Ausbildung gemeinsam mit seinen Kameraden des ersten Jahrgangs, nachdem er seit 1811 dort gelernt hatte.
- 1880
Geburt von Blok (1880–1921) – des Dichters, an dessen Versen man oft die besondere Musikalität des russischen Verses zeigt.
- 1895
Geburt von Jessenin (1895–1925). Seine Lyrik steht dem Lied und der dörflichen Landschaft nahe und wird bis heute gern laut gelesen.
Wie sich der russische Vers verändert hat
Die russische Dichtung hat lange nach ihrem eigenen Klang gesucht. Das syllabotonische System, an das das Ohr heutiger Leser gewöhnt ist, beruht auf dem Wechsel betonter und unbetonter Silben. Sobald man diesen Wechsel hört, klingt eine Zeile wie Musik mit klarem Takt.
Die zweisilbigen Versmaße – Jambus und Trochäus – sind seit Langem die vertrautesten. Der Jambus klingt wie ruhige Rede, die zur Betonung hin ansteigt, der Trochäus wie ein Lied oder ein Abzählreim, bei dem die Betonung am Taktanfang liegt. Die dreisilbigen Maße – Daktylus, Amphibrachys und Anapäst – haben einen weiteren, schwingenden Schritt und werden häufig für Erzählendes und für liednahe Gedichte gewählt. Wer deutsche Verse kennt, wird dieses Prinzip von Hebung und Senkung wiedererkennen.
Bei Puschkin und Lermontow sieht man, wie geschmeidig das klassische Versmaß dem Gedanken und der Intonation folgt. Bei Blok wird der Vers besonders musikalisch: Betonungen verschieben sich mitunter, und die Zeile klingt freier, als es das strenge Schema verlangt. Bei Jessenin strebt das Gedicht zum Lied und zur lebendigen Umgangssprache.
Für das langsame Lesen ergibt sich daraus eine einfache Regel: Bevor Sie über ein Gedicht urteilen, hören Sie auf sein Versmaß. Es verrät Tempo, Stimmung und wie der Dichter gelesen werden wollte.
- Analysen
Sechs Fragen, die man einem Gedicht stellen sollte, und eine Tabelle der fünf wichtigsten Versmaße.
- Menschen
Der Klassiker als Beispiel, Kommentator, Übersetzer, Vortragende, Bibliothekar und Gesprächspartner – wer Texte zu den Lesern bringt.
- Das Lyzeum (auf Russisch)
Hinweisseite zu einer Archivadresse: das Lyzeum von Zarskoje Selo, der Lyzeumstag und Gedichte, die aus Freundschaft entstanden.
- Beiträge
Die sechs Themen des Magazins – vom Versmaß bis zur legalen Textsuche – und der Katalog der Beiträge der deutschen Ausgabe.
- Archiv
Das Inhaltsverzeichnis des Magazins und wohin die alten Adressen dieser Domain heute führen.
Quellen
- Enzyklopädische Quellen zu russischen Dichtern
- Enzyklopädische Quellen zum Lyzeum von Zarskoje Selo
- Nachschlagewerke zur Verslehre
- Redaktionelle Materialien des Magazins Philosofiya
Die Lebensdaten der Dichter und die Angaben zum Lyzeum von Zarskoje Selo beruhen auf Nachschlagewerken; alles Übrige ist allgemein beschrieben und bezieht sich auf keine bestimmten Ausgaben. Termine von Lyrikabenden, Vorträgen und Öffnungszeiten von Lesesälen erfragen Sie bitte bei den Veranstaltern.